Predigten

Mit göttlicher Geduld

Predigt von P. Fidelis Ruppert OSB am 2. Adventssonntag.

Schwestern und Brüder,

die Gestalt des wortgewaltigen Täufers Johannes könnte man gut auf unsere aktuellen Probleme hin betrachten. Aber beim Vorbereiten der Predigt bin ich an einem Stichwort im Römerbrief hängengeblieben, das dort gleich zweimal vorkommt, das Wort „Geduld“. Geduld, ein Begriff, eine Haltung, in unserer aufgeregten Zeit besonders wertvoll – und selten.

Im Text der Lesung ist zunächst vom Gott der Geduld die Rede, von dem Gott, der unendliche Geduld mit uns Menschen hat, auch wenn wir (noch) gar nicht nach seinen Erwartungen leben. Von dieser göttlichen Geduld ist auch am Anfang der Benediktsregel die Rede, verbunden mit der Mahnung, man solle die Geduld Gottes nicht missbrauchen, sondern möglichst bald aufwachen für den rechten Weg.

Dann ist in der Lesung von der Geduld die Rede, die wir selber brauchen, um in unserem Leben die Hoffnung nicht zu verlieren.

Darauf folgt dann eine sehr konkrete Mahnung: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat.“ Also: den andern annehmen, wie er ist. Geduld mit ihm haben, so wie er ist. Das klingt ja gut, ist aber nicht immer leicht. Wie oft regen wir uns auf über jemanden, den wir ständig als Nervensäge erleben, oder Ärger und Zorn im Blick auf Zustände in unserer Gesellschaft, unserer Kirche, unserer Welt. Ärger und Wut entdeckt man überall, oft genug auch im eigenen Herzen.

Und da mahnt der Apostel: Nehmt einander an. Habt doch Geduld miteinander. Und er begründet das damit, weil „auch Christus uns angenommen hat.“ Ich habe es ja auch nötig, wir haben es alle nötig, angenommen zu werden, wie wir sind. Wir hören heutzutage immer wieder in Predigten, dass wir von Christus ganz angenommen werden, wie wir sind, dass wir bedingungslos angenommen sind, egal wieviel Dunkles in uns hängt. Eine großartige Botschaft!

Aber Paulus dreht hier den Spieß um und sagt, dann nehmt auch ihr einander an, so wie auch ihr – bedingungslos – angenommen seid. Es wäre ja billig, wenn ich mich freue, bedingungslos angenommen zu sein, aber nicht bereit bin, andere bedingungslos anzunehmen, auch wenn sie mir auf die Nerven gehen.

Der heilige Benedikt formuliert dazu noch etwas schärfer: Gegen Ende seiner Regel sagt er, seine Mönche sollten „ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen mit unerschöpflicher Geduld ertragen“, patientissme, geduldigst! Das ist eine gewaltige Herausforderung für uns Mönche. An dieser Geduldsübung müssen wir ein Leben lang trainieren – ich auch. Warum gelingt uns das aber so schlecht? Benedikt gibt dazu einen Hinweis:

Unmittelbar vorher sagt er, dass wir eine glühende Liebe brauchen, um unseren Weg, auch den gemeinsamen Weg auf Dauer gehen zu können. Nur wer ein inneres Feuer kennt, wessen Herz nicht erkaltet ist, kann einigermaßen mit all dem Ärgerlichen und Verworrenen umgehen, das ihm begegnet.

Wer Feuer hat, kann aushalten und durchhalten.

Dazu gibt es eine alte Mönchsgeschichte, die Hasenjagd:

Ein junger Mönch fragt einen Alten, warum Mönche, die in der Wüste lebten, eines Tages aufgeben und davonlaufen. Der Alte sagt: „Das ist wie bei den Hunden. Wenn ein Hund einen Hasen sieht, rennt er ihm nach, auch wenn es über Stock und Stein geht. Wenn andere Hunde diesen Hund rennen sehen, laufen sie ihm nach in der Hoffnung, dass da was zu holen ist. Wenn es aber schwierig wird, werden sie mutlos und geben auf. Sie hatten den Hasen ja nicht selber gerochen. Nur der Hund, der den Hasen gesehen und seine Witterung in der Nase hat, lässt sich durch kein Hindernis bremsen, bis er den Hasen packen kann.“ Und der Alte erläutert dazu: „Wer hinter Jesus her ist, weil er ihn mal gespürt, gerochen hat, weil er von ihm gepackt worden ist, den wird keine Schwierigkeit bremsen können, bis er endlich ganz mit Jesus vereint ist.“

Das kennen wir wohl auch: Wenn wir von etwas begeistert sind, wenn Feuer in uns ist, können wir viel ertragen und durchstehen, können wir sogar mit Menschen, die uns nerven, einigermaßen geduldig umgehen. Wenn es aber in uns selber grau und dunkel ist, regt uns die Mücke an der Wand auf.

Der heilige Benedikt hat recht, wir brauchen eine glühende Liebe, zumindest eine gewisse Herzenswärme, um die körperlichen und seelischen Schwächen miteinander tragen zu können. Aber wie komme ich an so ein Feuer?

Der Täufer sagt heute im Evangelium, dass wir mit Heiligem Geist und mit Feuer getauft werden, getauft worden sind. Wo ist denn dieses Feuer hingeraten? Ist es vielleicht nur zugedeckt? Wenn wir im Leben zurückschauen, entdecken wir sicher Phasen, wo wir Feuer hatten, wo wir vieles bewirken und vieles auch ertragen konnten, manchmal sogar mit einer Eselsgeduld, einer göttlichen Geduld.

Solche Erinnerung kann die Sehnsucht aufsteigen lassen, es möge doch wieder mal ein inneres Feuer in mir aufbrechen, wenigstens ein Feuerchen, so groß wie die Flamme einer Kerze. Ein Blick in die Adventskerze kann diese Flamme der Sehnsucht aufbrechen lassen, es kann uns warm werden ums Herz, als ob die Flamme im Herzen wäre.

In solch adventlicher Stille können wir ahnen, dass mehr Liebe in uns verborgen ist, als uns im Alltag bewusst wird. Und selbst, wenn uns jetzt ein Mensch einfällt, der uns sonst nervt, können wir ahnen, dass wir auch ihn etwas lieben und etwas geduldiger mit ihm umgehen könnten.  

Vielleicht können wir einfach dieses Adventslicht im Herzen mitnehmen in den Alltag, um dort etwas liebenswürdiger und geduldiger sein zu können.

im Wissen um den, der als Licht in diese Welt gekommen ist,
damit sein Licht in uns aufstrahlt,
und weiterstrahlt zu vielen Anderen –
durch uns – durch mich persönlich.

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