Predigten

Die Spannung einer Jesusnachfolge

Predigt von Br. Pascal Herold am 22.Sonntag im Jahreskreis.

Immer wieder setzen sich Menschen mit Leidenschaft und Eifer oder aus Überzeugung für eine Sache ein, die ihnen ans Herz gewachsen ist, wie etwa die 17-jährige Greta Thunberg. Die von ihr initiierten Schulstreiks für das Klima sind zur weltweiten Bewegung geworden. Oder aktuell der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny, der seit einer Woche von deutschen Ärzten in der Berliner Charité behandelt wird. Es steht im Raum, dass Nawalny Opfer eines Giftanschlags geworden ist.

Nicht immer stoßen Menschen mit ihrem leidenschaftlichen Engagement auf Verständnis, sondern erleben mitunter das Gegenteil von Ablehnung, Diffamierung oder sogar gewalttätigen Übergriffen. Im heutigen Evangelium weist Jesus auf etwas Drängendes hin, was ihm und in seiner weiteren Auswirkung auch seinen Jüngern bevorsteht.

"Er werde von den Ältesten, den Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, werde getötet, aber am dritten Tag werde er auferstehen." Damit spricht Jesus zum zweiten Mal im Matthäusevangelium ganz offen die drastische Thematik von seinem unabwendbaren Leiden, Tod und Auferstehung an. Was sollen die Jünger in dem Augenblick anderes denken als Jesus gut zureden zu wollen!

"Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen", donnert Petrus entgegen. Innerhalb weniger Augenblicke bricht eine Konfrontation zwischen Jesus und Petrus aus. Der wütende Meister lässt keine Diskussion zu, er beschimpft sogar seinen Schüler Petrus: "Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen." Die feurige Reaktion Jesu überrascht da er Petrus den Laufpass gibt; Jesus wirkt genervt, weil vermutlich keiner mitempfinden kann was er empfindet wenn er von dem spricht, was auf ihn zukommt: Leid, Tod, Auferstehung.

Wenn Menschen im Konfliktfall beleidigt werden hat das Konsequenzen. Es kommt zum verbalen Schlagabtausch oder zur Kündigung der Beziehung. Wie reagiert Petrus? Wir wissen nichts darüber. In der weiteren Erzählung des Evangeliums heißt es, dass Jesus sechs Tage später Petrus und zwei weitere Jünger mit auf einen hohen Berg nimmt, wo er vor ihren Augen plötzlich ganz leuchtend erscheint. Ihre Beziehung scheint also nicht gelitten zu haben; Petrus ist nicht weggegangen, sondern geblieben. Dennoch bleiben und miteinander Kontakt halten ist keine Angelegenheit des Herzens sondern der Vernunft und der inneren Haltung. Was hätte alles schon für ein Davonlaufen und Weggehen sprechen können, Gründe dafür gäbe es genügend. Jede und jeder von uns kann dazu Beispiele nennen.

In der Lesung hörten wir den Propheten Jeremia zwischen Enttäuschung und innerer Entschlossenheit laut klagen: "Sagte ich aber, ich will nicht mehr an dich denken und nicht mehr in deinem Namen sprechen, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Inneren."

Obwohl Jeremia maßlos von Spott und Verachtung getroffen ist, spürt er, dass er gar nicht anders kann auch weiterhin als mahnender Prophet aufzutreten. Die Qual des Feuers wäre bei einer Verweigerung noch unerträglicher. Jeremia erleidet dieses Brennen im Herzen einerseits als Qual und empfindet es andererseits als intensive Erfahrung göttlichen Beistands. Gott macht es ihm nicht leicht, seinen Forderungen nicht aus dem Weg zu gehen, er verlangt Jeremia die letzten Kräfte ab.

Auch Jesus fordert die Jünger mit der Realität keiner easy oder billigen Jüngerschaft heraus: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Das sind knallharte Worte! Sie sehen schwere Wege und Zeiten voraus, die das eigene Leben durchkreuzen und Jesu Geist zum Maßstab werden lassen wollen.

Eine Kreuzigung war zurzeit Jesu beinahe alltäglich und somit nichts Außergewöhnliches. Eine Kreuzigung stand aber für ein schweres Vergehen, worauf die Todesstrafe stand. Eine Kreuzigung musste also Entsetzen auslösen.

Jesus spricht aber auch von einem Gewinn wenn jemand um seinetwillen sein eigenes Leben verliert. Die Spannung kann also nicht größer sein, die sich als Erschütterung einerseits und als Gewinn andererseits aufbaut.

Die Spannung einer Jesusnachfolge erzeugt Diskrepanzen und liegt in der Freiheit des eigenen Tun und Lassens und dem, was der Wille Gottes sein kann, zwischen dem, wo wir pflichtbewusst unsere Arbeit tun und der persönlichen Enttäuschung vermeintlicher Erfolglosigkeit, vor allem wenn wir auf Widerstand und Unverständnis stoßen, zwischen der persönlichen Lossagung, Verleugnung und Jesu Verleugnung. Klingt das nicht befremdlich und entmutigend? Und doch haben wir alle irgendwie eine Ahnung von dem Punkt in unserem Leben, den Jesus als Kreuz meinen könnte. Wir können nicht davon ausgehen, dass alles in unserem Leben glatt verläuft sondern die Zukunft uns ebenso Schicksalhaftes entgegenbringt und dies für das Leben als bekennende Christen Folgen hat.

Jesus legt uns ans Herz sein eigenes, persönliches  Kreuz anzunehmen. Er sagt nicht: "Wer mein Jünger sein will, nehme mein Kreuz auf sich!" Das Kreuz, das für Jesus bestimmt war, konnte nur er annehmen und tragen, niemand sonst wäre in der Lage dies zu tun. Sein Kreuz auf sich zu nehmen kann meinen mein Leben so anzunehmen wie ich es täglich ganz real erlebe mit den Höhen und Tiefen und versuchen es im Geiste Jesu zu meistern, es soll uns nicht erdrücken sondern aufrichten. Spannungen und Widersprüche werden nicht ausbleiben, aber im Herzen ein Feuer brennt, das diese Spannungen aufwiegt und als treibende Kraft, als Lebenskraft das Voranschreiten garantiert im Erspüren, im Erleiden und genauso im Sich freuen welche Botschaft Leben jetzt offenbart.

Die Kreuzesnachfolge ist ein ganz eigener, individueller Weg, den wir alle sehr persönlich mit Jesus gehen, ihm hinterher gehen; er trägt das unsrige Kreuz sogar noch mit, wenn es uns zu schwer wird. Das brennende Feuer seines Herzens trug in sich die Macht der Liebe, die allen Gegenkräften standhielt und daher die Initiative ergriff uns in eine Welt zu führen, die diese Gegenkräfte und von uns Menschen gesetzte Grenzen sprengt. Jesus weiss sehr wohl, dass viele wie Petrus davor zurückschrecken oder viele allem gleichgültig gegenüber stehen.

"In einzelnen ist Religion dumpfe Gewohnheit, in anderen brennendes Feuer", so der amerikanische Psychologe und Philosoph William James und weist auf eine unterschiedliche Dynamik hin, die der Glaube bewirken kann. Dumpfe Gewohnheit oder brennendes Feuer. Feuerflammen verändern immer die ursprüngliche Materie, in der Sprache des Glaubens verwandeln Feuerflammen das Herz in leidenschaftliche Liebe zu einem feurig-leidenschaftlichen Engagement für das Leben, das zur guten Gewohnheit werden will.

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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