Predigten

Glaube kostet auch…

Predigt von P. Fidelis Ruppert OSB am 16. Sonntag im Jahreskreis zu Kolosser 1,24-28.29)

Schwestern und Brüder,

heute möchte ich die Aufmerksamkeit auf die Lesung lenken, wo Paulus sagt: „Ich ergänze in meinem irdischen Leben, was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt an seinem Leib, der die Kirche ist.“

Klingt etwas merkwürdig. Paulus scheint hier zu sagen, dass das Leiden Jesu noch nicht genügt, um die Menschen zu erlösen, sondern er müsse selber noch einiges dazu beitragen und ergänzen, damit’s reicht.

Seit Jahrhunderten ringen Theologen um diesen Satz und es gibt dafür mehr als ein Dutzend Deutungen. Aber vielleicht meint Paulus etwas ganz Einfaches:

Unmittelbar vorher sagt er: „Ich freue mich in den Leiden, die ich für euch ertrage.“ Paulus spricht oft davon, wie schwierig sein Dienst ist, wieviel Enttäuschung und Anfeindung er ertragen muss. Und hier sagt er, er nehme das alles gern auf sich, den Gläubigen zuliebe. Er weiß, dass all die schmerzlichen Erfahrungen dazugehören, damit seine Verkündigung in den Gemeinden Früchte trägt.

Die Botschaft von der Erlösung ist kein Selbstläufer. Es braucht Menschen, die die nötigen Mühen auf sich nehmen und sich selbstlos aufopfern. Ohne diese „Ergänzung“ zu Leben und Leiden Jesu geht es eben nicht. Natürlich hat Paulus auch viel Freude und Erfolg erlebt, und auch darüber redet er gern und lobt sich manchmal selbst. Aber dann weiß er auch, dass er sich körperlich und seelisch abrackern muss, damit das Evangelium unter den Menschen wirken und blühen kann. Das ist der Preis, das ist seine Ergänzung, seine Eigenleistung zum Evangelium. Billiger geht es nicht.

Den heutigen Nachfolgern der Apostel geht es nicht anders, unseren Bischöfen. Man kann ja allerhand an Bischöfen herumkritisieren. Man könnte auch an mir und an Ihnen herumnörgeln und alles Mögliche kritisieren, wenn man lange genug sucht. Eigentlich sind Bischöfe mit all dem, was heute auf sie einstürmt, völlig überlastet und überfordert. Sie können einem oft leidtun, mit allem, was da über sie hereinbricht.

Es ist seit langem bekannt, dass viele Kandidaten das Bischofsamt ablehnen, wenn es ihnen angetragen wird. Es ist auch in der Wirtschaft und in der Politik so, dass immer mehr Menschen es ablehnen, Verantwortung oder höhere Ämter anzunehmen, weil die Forderungen und Überforderungen enorm sind. Die Ehre und die Chancen eines hohen Amtes haben einen hohen Preis, den viele nicht zahlen wollen. Deshalb sollte man Bischöfen auch mal Mitgefühl und Verständnis entgegenbringen, statt über sie herzufallen.

Paulus sagt in unserem Text: „Ich freue mich in den Leiden, die ich für euch ertrage.“ Er hat nicht immer so locker über seine Leiden geredet. Aber wie hat er das alles geschafft? Am Ende unseres Textes steht ein Satz, der leider im offiziellen Text des Lektionars fehlt. Da erklärt Paulus sein Durchhaltevermögen mit den Worten: „Dafür mühe ich mich und kämpfe ich – mit Hilfe seiner Kraft, die machtvoll in mir wirkt.“ Manchmal denke ich: Wieviel von dieser Macht Christi, die in Paulus wirkte, muss auch in vielen Bischöfen wirksam sein, dass sie einen so schweren Dienst aushalten – über Jahre hin.

All das hat auch mit jedem und jeder von uns zu tun, mit unserem Glauben und mit dem Überleben unseres Glaubens. Wenn der Glaube überleben soll, dann müssen auch wir – wie Paulus sagt – noch allerhand durch eigenes Tun und Leiden „ergänzen“. Einfach nur glauben, was man halt so glaubt, genügt nicht mehr. Unser Glaube ist vielfach angefochten, in Frage gestellt.

Denn wir leiden am Zustand unsrer Kirche. Viele halten das nicht aus und gehen weg. Andere bleiben – wir sind jedenfalls noch hier –, aber wir leiden auch.

Dazu kommt die Pandemie mit ihren vielen, weiter andauernden Folgen. Jetzt auch noch der Krieg vor unserer Haustür, dessen Folgen wir noch schmerzlich spüren werden. Und auch noch manch sehr persönliche Last, die viele von uns zu tragen haben.

Kann man da einfach so weiterglauben wie bisher? In der Krise muss sich der Glaube ganz neu bewähren. Der große Origenes aus dem 3. Jahrhundert meint sogar, es sei notwendig, dass der Glaube immer wieder angefochten und heraus-gefordert wird, damit er lebendig und dynamisch bleibt. Er sagt, es sei wie mit einem Stück Fleisch. Wenn es nicht gut gesalzen wird, verdirbt es und wird faul; gut gesalzen bleibt es lange frisch. (damals gab es noch keine Kühlschränke!) So muss auch der Glaube der Christen gesalzen, herausgefordert werden, um gesund zu bleiben, zu wachsen und sich zu vertiefen.

Und Antonius der Einsiedler ergänzt: „Nimm die Versuchung weg und niemand wird gerettet.“ Er meint: Wir brauchen die Herausforderung, um wach und lebendig zu bleiben.

Kennen wir nicht selber solche Erfahrungen? Haben wir nicht auch schon mal rückschauend gesagt, dass wir in dieser oder jener Krise viel gelernt, auch tiefer glauben gelernt haben? Und sind wir manchmal nicht sogar hinterher dankbar für einen solch schwierigen Lern- und Wachstumsprozess?

Die Fülle der aktuellen Probleme kann uns ängstigen und mutlos machen. Wir können aber auch positiv fragen, was wir jetzt lernen müssen, um all das zu bewältigen, wo unsere Kreativität gefragt ist, wo wir neue Wege suchen und im Glauben tiefer bohren müssen, damit wir all die Krisen nicht nur überleben, sondern daraus lernen und daran wachsen – wie bei früheren Krisensituationen.

Das ist es dann, was wir – wie Paulus sagt – von uns aus „ergänzen“ müssen, damit der Glaube fruchtbar wird und wächst. Dazu dürfen wir uns das oben zitierte Wort des Paulus über den Glaubenskampf nochmals wiederholen, wo er sagte: „Ich mühe mich und ich kämpfe – mit Hilfe seiner Kraft, die machtvoll in mir wirkt.“

Möge diese Kraft auch in uns wirken – im Weitergehen……

Amen

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