Gab es den Stern von Bethlehem?

P. Christoph aus der Klostersternwarte gibt eine astronomische Sicht.

Drei Sterndeuter aus dem Morgenland sollten vor über 2.000 Jahren einem Stern gefolgt sein, der sie zur Krippe nach Bethlehem geführt habe. Seit Jahren beschäftigt Wissenschaft und Exegeten die Frage, was es mit dem Stern von Bethlehem tatsächlich auf sich hat. Kurz vor Weihnachten hat P. Christoph mit dem Domradio darüber gesprochen. Im Interview erklärt er, dass es tatsächlich keinen wissenschaftlichen Beweis für diesen Stern gibt, wie er im Matthäusevangelium beschrieben wird. Doch an ihm festhalten würde er trotzdem.

„Ich denke auch, es ging Matthäus um viel mehr als nur um naturwissenschaftliche Informationen, sondern er wollte erklären, wer dieser Jesus eigentlich ist, welche Bedeutung er hat und welcher große Horizont da im Grunde genommen aufgemacht wird, nämlich ein kosmischer Horizont. Das war für Matthäus viel wichtiger als die astronomische Information, die dahintersteckt“, so P. Christoph im Interview.

Weiter plädiert er dafür, im Stern mehr zu sehen, als die bloßen astronomischen Gebilde. Der Stern, der eigentlich Jesus Christus ist, gehe in jedem einzelnen, in jedem Leben auf: „Das möchte auch Matthäus mit dieser Geschichte vermitteln, dass die Menschen einfach hinfinden zu diesem Jesus Christus als ihren Stern, als den Sohn Gottes, der sie erlöst und der sie zum Leben führt.“

Daher sei er auch dagegen, nun den Stern aus dem Krippenspiel zu streichen. Das sei ein viel zu starkes Bild. Es gehe um Christus als wahren Stern – allerdings muss klar sein, dass der astronomische Stern von Bethlehem als naturwissenschaftliches Ereignis nicht nachvollziehbar ist.

Auch die Figuren der ursprünglichen Sterndeuter haben sich über die Jahrhunderte verändert, erklärt P. Christoph weiter in einem Beitrag für die Abteiseite. Heute sind sie die heiligen König oder die drei Weisen aus dem Morgenland, die dem Jesuskind Gold. Weihrauch und Myrrhe bringen.

Im dritten Jahrhundert nach Christus hat Origenes von den drei Gaben auf die Zahl der Magier geschlossen und sie deshalb mit drei benannt. Nach und nach setzte sich die Dreizahl durch. Die heute bekannten Namen Kaspar (zu deutsch: Schatzverwalter), Melchior (König des Lichtes) und Balthasar (Gott schütze den König) finden sich im 6. Jahrhundert nach Christus. Siestehen unter ihrer Darstellung auf einem Mosaik in Ravenna und auf einem Fresko in Ägypten, was ihre weit reichende Verbreitung unter diesen Namen in der damaligen Zeit beweist. Dort sind sie noch als Magier dargestellt. Doch seit dieser Zeit werden sie auch als Könige bezeichnet.

Hintergründe dafür finden sich ebenfalls in der Bibel, im Psalm 72: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben.“ In den im Matthäusevangelium dargestellten Sterndeutern wurden daher diese Könige gesehen. Spätestens ab dem Mittelalter wurden sie als die drei Könige in der Kunst abgebildet, die von allen Kontinenten, von der ganzen Welt her zur Krippe gepilgert sind. Aus diesem Grund wurde auch einer der Könige mit dunkler Haut dargestellt.

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