Die Marienfigur in der Abteikirche

Der Mai gilt traditionell als Marienmonat – und die Mariendarstellung in der Abteikirche hat eine außergewöhnliche Geschichte.

Gefertigt wurde die Madonna mit dem Kind 1926 von Br. Franz Blaser, der sich 1924 der Abtei als Oblate anschloss. Es war das erste große Werk des gelernten Bildhauers für Münsterschwarzach. Sie ist nach dem Vorbild einer bereits 1913/1914 für die Pfarrkirche St. Bernhard in Baden-Baden gefertigten Madonnenstatue entworfen. Für den studierten Künstler galt sie als Schlüsselwerk, während der Zeit des Ersten Weltkriegs soll eine Fotografie davon über seinem Bett im Lazarett gehangen haben.

Zeitgleich schuf Br. Franz auch eine Marienfigur für die Außenwand des Klausurbereichs, die vom Torhaus kommend bis heute dort hängt. Erst im direkten Vergleich werden die Ähnlichkeiten der beiden Marienfiguren deutlich:

„Maria hält da mit ruhiger Hand das Kind, das auf ihrem Schoß steht, und verspricht, auch den frommen Beter zu halten, während sie mit anmutig grazilen Fingern die noch unentschieden wirkende Kinderhand zur Segensgeste führt“, heißt es in der Abteibiographie „Schwarz aber schön“ über die Figur.

Die Holzfigur für die damalige Notkirche der Abtei war zu Anfang weiß lasiert. Am Pfingstsamstag wurde sie feierlich zum mittäglichen Angelusläuten vor der Werkstätte geweiht und von acht Brüdern in einer Prozession in die Kirche getragen.

Bevor sich der Zug unter den Klängen der Brüderkapelle und unter dem Lied ›Maria zu lieben‹ in Bewegung setzte, hielt Vater Abt eine kurze Ansprache. Er verglich unsere Freude mit der des singenden und tanzenden David, als er die Bundeslade wieder in den Tempel überführen konnte [...] Die Statue drückt den Gedanken aus, dass der Heiland mit Vorliebe seine Gnaden durch Marias Hände gehen lässt“, zitiert Dr. Johannes Mahr die Geschehnisse aus den Annalen in der Abteibiographie.

Neben der parallel entstandenen zweiten Figur gibt es eine weitere Besonderheit: Die Madonna ist die einzige Figur, die aus der Notkirche einen Platz im Kirchenneubau von Albert Boßlet 1938 fand. Um 1935 wurde bei der Planung der Kirche beschlossen, die bildlichen Figuren auf ein Minimum zu reduzieren. Im August 1938, drei Wochen vor der Kirchweihe, wurde die Marienfigur noch einmal von Fr. Maurus Kraus in seinen Werkstätten verändert. Statt der weißen Holzlasur wurde der originale Holzton wiederhergestellt, das Gesicht wurde verschmälert und die Form der Krone verändert.

Mit der weißen Lasur hätte sich die Marienfigur kaum von der Wand abgehoben. Bis heutige ist sie neben dem großen Christus Salvator ein Blickfang in der großen und monumentalen Abteikirche, der Besucherinnen und Besucher zum Verweilen und Gebet einlädt.

(Informationen aus Band 2 und 3 der Abteibiographie "Schwarz aber schön" von Dr. Johannes Mahr)

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