Unsere Gebetszeiten

"Zu diesen Zeiten lasst uns also unserem Schöpfer den Lobpreis darbringen." (RB 16,5)

Fünfmal am Tag kommen wir Mönche in unserer Abteikirche zusammen. Wir unterbrechen das, was wir gerade tun, für unser Gebet. Morgens unseren Schlaf. Tagsüber unsere Arbeit. Das Stundengebet ist für uns Mönche zentral. In unseren fünf Gebetszeiten versammeln wir uns, um die Psalmen zu singen und Eucharistie zu feiern. 

Das Stundengebet ist ein wichtiger Bestandteil monastischen Lebens. Beten und Arbeiten - ora et labora - so lässt sich unser Tagesrhythmus gut zusammenfassen. Unser Ordensgründer Benedikt von Nursia hat bereits in seiner Klosterregel präzise Angaben zu den Gebetszeiten und Psalmen festgeschrieben. Vor dem Hintergrund dieser Jahrhunderte alten Tradition versuchen wir, unser Leben zu gestalten und nach Gott auszurichten.

Das gemeinsame Gebet verbindet uns Benediktiner - in unserer Gemeinschaft und mit unseren Missionsklöstern weltweit. Auch Gäste und Besucher sind herzlich eingeladen, mit uns die Psalmen zu singen und am täglichen Konventamt teilzunehmen. Sonntags feiern wir in der Abteikirche noch zwei weitere heilige Messen.

Zu unseren Gebetszeiten sind alle Gäste und Besucher immer herzlich eingeladen. Einzige Ausnahme ist die nicht-öffentliche Komplet am Mittwoch. Darüber hinaus ist am Donnerstag kein Konventamt um 6.30 Uhr, sondern in Verbindung mit der Vesper um 17.30 Uhr.  

Sonntag und Feiertage

Morgenhore
6.00 Uhr
Konventamt
9.00 Uhr
Mittagshore
11.45 Uhr
Vesper
17.45 Uhr
Komplet
19.30 Uhr

Montag bis Freitag

Morgenhore
5.00 Uhr
Konventamt
6.30 Uhr
Mittagshore
12.00 Uhr
Vesper
18.00 Uhr
Komplet
19.35 Uhr

Mittwochs keine öffentliche Komplet
Donnerstags Konventamt um 17.30 Uhr

Samstag

Morgenhore
6.00 Uhr
Konventamt
7.15 Uhr
Mittagshore
12.00 Uhr
Vesper
18.00 Uhr
Komplet
19.35 Uhr

„DEM GOTTESDIENST SOLL NICHTS VORGEZOGEN WERDEN.“ (RB 43,3)

Der heilige Benedikt hat bei der Gründung seiner Klöster dem Gebet einen besonderen Stellenwert im mönchischen Leben gegeben. In seiner Ordensregel handeln allein 13 Kapitel von der Liturgie - von Gottesdiensten in der Nacht bis zur Anzahl der Psalmen bei den Gebetszeiten. Alles ist von ihm bis ins Detail beschrieben.

In dieser Tradition leben wir Mönche bis heute. Die Konventsglocke unterbricht unsere tägliche Arbeit und ruft uns zum Gebet. In der Abteikirche kommen wir zusammen und singen die Psalmen. Morgens, mittags, abends.

Unser Stundengebet beginnt um 5 Uhr morgens mit der Morgenhore (Vigil und Laudes). "Auch in der Nacht lasst uns aufstehen, um ihn zu preisen", schreibt Benedikt in seiner Regel. Immer wollen wir wachsam und bereit für Gott sein. In unserem Konventamt um 6.30 Uhr feiern wir täglich das Gedächtnis der Auferstehung. Mittags kommen wir um 12 Uhr zusammen, um in der Mittagshore zu beten. Um 18 Uhr beten wir die Vesper und beschließen das Ende unseres Tages um 19.35 Uhr mit der Komplet.

"SINGT DIE PSALMEN IN WEISHEIT." (RB 19,4)

In der Abtei Münsterschwarzach beten wir nach dem "Benediktinischen Antiphonale". Ausgehend vom Hebräischen wurden Psalmen und Cantica ins Deutsche übersetzt. Die drei Bücher für unser Stundengebet werden von unserem Vier-Türme-Verlag herausgegeben und weltweit verkauft. 

Das Benediktinische Antiphonale ist das Stundenbuch der Benediktiner. Es ist in jahrelanger Arbeit von Benediktinermönchen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden, die dafür die Bibeltexte (Psalmen und Cantica) ausgehend von den hebräischen Originaltexten auch im Hinblick auf die Singbarkeit der Texte im Stundengebet neu übersetzten.

So beten nicht nur wir Mönche in Münsterschwarzach, sondern auch viele andere Ordensgemeinschaften und Einzelpersonen mit unseren Stundenbüchern. Eine große Gebetsgemeinschaft. 

Die Kraft des Psalmengebets trägt uns und alle, die sich mit dem Benediktinischen verbunden fühlen. Wir beten nicht nur miteinander, sondern auch füreinander. Als Gemeinschaft von Christen. Im täglichen Psalmensingen fordert Benedikt uns auf, Herz und Stimme in Einklang zu bringen und so Gott zu loben. Im Gebet machen wir Mönche uns gemeinsam auf, Gott zu suchen. Und jeder ist eingeladen, sich mit uns auf diese Suche zu machen.

Vigil und Laudes

Um 5 Uhr beten wir Mönche die Morgenhore. Wir verbinden darin Vigil und Laudes.

Vigil ist die Nachtwache. Der Begriff kommt aus der Soldatensprache. Der Soldat muss in der Nacht auf Posten stehen und Wache halten. Die Mönche wachen, um im Gebet Gott zu begegnen. Und sie wachen für die Menschen. Sie vollziehen mit ihrer nächtlichen Wache einen Dienst an der Welt. Sie wachen betend, damit die Menschen nicht von inneren Feinden überfallen werden, damit sie in Ruhe ihren Tag beginnen können.

In den Laudes, dem Morgenlob, besingen wir Christus als die Sonne der Auferstehung, die aufgeht über der Dunkelheit unseres Lebens. Wir bitten für die Menschen, dass das Licht Christi an diesem Tag alle Dunkelheit aus ihren Herzen vertreibe.

Konventamt

Das Konventamt ist die tägliche Eucharistiefeier für den ganzen Konvent. Wir singen dazu entweder lateinischen Choral oder deutsche Lieder. Am Donnerstag verbinden wir das Konventamt mit der abendlichen Vesper.

In der Eucharistie feiern wir Tod und Auferstehung Jesu als Ausdruck der Hoffnung, dass Gott alles Tote und Erstarrte in neues Leben verwandelt, alles Dunkle erhellt und aus jedem Scheitern einen Neuanfang ermöglicht. Und wir feiern das heilige Mahl, in dem wir eins werden mit Christus, eins werden mit uns selbst und eins werden miteinander.

Das tägliche Konventamt ist die Quelle unseres Zusammenlebens. Die Einheit, die wir da erfahren, versuchen wir im Alltag zu vollziehen.

Mittagshore

Um 12.00 Uhr, der Zeit, in der Pilatus das Todesurteil über Jesus sprach, beten wir die Mittagshore.

Der Mittag verweist uns auf die Hitze des Tages, auf die hochgekochten Emotionen, die uns bedrängen. Da brauchen wir die Kühlung des Gebets, indem wir uns in der heißen Sonnenglut unter den Schatten des Kreuzes stellen.

Die Mittagshore ist eine heilsame Unterbrechung, die das Kochen der Emotionen beendet und den kühlen Hauch des göttlichen Geistes in die Seele wehen lässt.

Vesper – das Abendlob

Die Abendhore hat ihren Namen Vesper vom Abendstern, dem Hesperos. Es ist der Stern der Liebenden. Und er verkündet den Müden Ruhe und Frieden.

Wenn die Sonne untergeht, gedenken wir der wahren Sonne, Jesus Christus, der in unsere Dunkelheit hineingestiegen ist, um sie zu verwandeln. So bitten wir am Abend, dass Christus in unserem Herzen als Sonne weiter leuchte, wenn nun die irdische Sonne untergeht.

Die Vesper ist ein feierlicher Lobgesang. Wir loben Gott, die eigentliche Mitte unseres Lebens. Und wir schauen im Abendlob auf Christus, das wahre Licht, das unsere Herzen erleuchtet und der in seiner Auferstehung jede Nacht vertrieben hat.

Komplet – das Nachtgebet

Mit der Komplet (von completum est = es ist vollendet) beschließen wir Mönche den Tag. Wir beten um Gottes Schutz in der Nacht. Gott möge seine heiligen Engel senden, um uns und die Menschen, für die wir beten, zu behüten.

Und wir beten, dass Gott alles Stückwerk unseres Tages vollendet und zum Segen werden lässt für uns und für die Menschen.

Am Ende der Komplet singen wir das Salve Regina, einen alten Marienhymnus. Indem wir uns an Maria wenden, drücken wir aus, dass wir uns schlafend in Gottes mütterliche und liebende Arme bergen, um darin Ruhe und Schutz zu finden.

Pontifikalamt

An Hochfesten steht der Abt der Eucharistiefeier vor. Wir nennen das feierliche Hochamt Pontifikalamt. Der Abt ist der Pontifex, der Brückenbauer zwischen der Gemeinschaft und Christus, der die Gemeinschaft trägt. Und er ist der Brückenbauer zwischen Himmel und Erde.

Im Pontifikalamt soll in unserem Herzen eine Brücke entstehen zwischen Himmel und Erde und eine Brücke zu den Menschen, für die wir Verantwortung tragen. Der Abt trägt beim Pontifikalamt den Abtsstab, der auf den Hirtenstab verweist. Nicht nur der Abt ist Hirte für seine Gemeinschaft, wir alle sollen füreinander Hirte sein und die Menschen auf die Weide führen, damit sie die Nahrung finden, die sie wahrhaft nährt.

Feierliche Vigil

Vor großen Festen singen wir am Vorabend die feierliche Vigil mit allen drei Nokturnen, mit allen drei Nachtwachen. In den Psalmen meditieren wir uns hinein in das Geheimnis des Festes. Die Lesungen erklären uns, was wir feiern. Wir feiern die Vigil immer auch für die Menschen, damit das kommende Fest ihnen die Augen öffnet für das Geheimnis ihres Lebens, für das Geheimnis ihrer Erlösung durch Jesus Christus.

Die feierliche Vigil endet im Te Deum, einem der ältesten Hymnen der Kirche. In ihm loben wir Gott und Jesus Christus für alles, was er uns getan hat. Der Hymnus endet mit der Hoffnung, dass unser Leben für immer gelingen wird.

Kontakt