Adventskalender

17. Dezember: RB 4,74

Münsterschwarzacher Adventskalender am 17. Dezember mit P. Zacharias Heyes OSB zu RB 4,74.

"Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln…" (RB 4,74) 

Dieser Satz aus der Regel des heiligen Benedikt begleitet mich nicht erst seit meinem Eintritt ins Kloster. Schon in meinen Studienjahren ist er mir begegnet und hat mich tief berührt. Manchmal verzweifeln Menschen. Sie verzweifeln daran, dass sie für ein Problem keine Lösung finden. Oder sie verzweifeln an einem anderen Menschen, der sie mit seinem Verhalten zur Verzweiflung bringt.

Und nicht wenige verzweifeln heutzutage an der Kirche und ihrem Verhalten – wie etwa in Bezug auf den Missbrauchsskandal oder an ihrer Unfähigkeit zu Reformen, die vielen als so dringend notwendig erscheinen. Niemals aber soll der Mensch an der Barmherzigkeit Gottes verzweifeln. Diese soll er unter keinen Umständen in Frage stellen. Selbst wenn es das Letzte ist, worauf er vertraut. Benedikt schreibt diesen Satz am Ende des Kapitels über die Werkzeuge der geistlichen Kunst. Diese Werkzeuge braucht man seiner Ansicht nach, um auf dem Weg der Nachfolge Christi reifen und wachsen zu können.

Liest man dieses Kapitel mit seiner großen Anzahl an Geboten ("Das Fasten lieben, Arme bewirten,(…), Kranke besuchen,(…), Bedrängten zu Hilfe kommen,(…),  sich dem Treiben der Welt entziehen, der Liebe zu Christus nichts vorziehen" – RB 4,14-22), so könnte man verzweifeln – weil es unmöglich erscheint, dies alles umzusetzen. Benedikt aber weiß um die Schwäche der Menschen. Er weiß, dass ohne Gottes Kraft und Beistand der Mensch den Weg der Nachfolge nicht gehen kann.

Und das ist gelebte Barmherzigkeit: dem Menschen in seiner Schwachheit zu Hilfe zu eilen. So wie Gott es in seiner Menschwerdung in Jesus getan hat. Den Schwachen galt Jesu erste Zuwendung. Wie oft hat er Menschen ermutigt und ihnen gesagt: "Steh auf und geh! Deine Sünden sind dir vergeben!"

Gott hört nie auf, dem Menschen entgegen zu kommen, ihm zu verzeihen und ihn in seine Liebe einzuhüllen. Darin kann und darf er neue Kraft finden – jeden Tag neu, auch heute.

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