Adventskalender

7. Dezember: RB 19,7

Münsterschwarzacher Adventskalender am 7. Dezember mit Br. Joel Schmidt OSB zu RB 19,7.

"…und stehen wir so beim Psalmensingen, dass Herz und Stimme in Einklang sind." (RB 19,7).

Dieser Vers aus der Benediktsregel hat mich schon immer beeindruckt! Die Stimme soll das ausdrücken, was das Herz fühlt. – Und das, was man empfindet, soll in der Stimme klingen. Benedikt will also, dass wir ganz authentische und ehrliche Menschen sind?!

Leider ist es hier nicht so einfach:

Erstens steht der Vers im 19. Kapitel, wo es um die richtige “Haltung beim Gottesdienst” geht, und zweitens ist der Vers oben etwas ungenau übersetzt. Eigentlich müsste erlauten: "…und stehen wir so beim Psallieren, dass unser Herz mit unserer Stimme übereinstimme." Grammatikalisch gibt es keinen Zweifel: Unser Herz soll sich nach der Stimme richten und nicht umgekehrt! Im Gottesdienst, versteht sich: Heißt das authentisch sein?

Nun muss man dazu sagen, dass Benedikt den Psalter ganz im Sinne der Kirchenväter verstanden hat: Das Psalmensingen war das große “Seelenkrankenhaus” (Basilius d. Gr., Hom.Ps. 1), ein Gleichrichter des Inneren Menschen und ein Ausrichter zu Gott hin.Denn in den Psalmen klingt die vox Christi,die Stimme Christi – unser Heil schlechthin– oder die vox de Christo, also die Stimme, die von ihm kündet. Schon allein dadurch, dass man seine Worte in den Psalmen ausspricht, wird man innerlich heil, so glaubten die Kirchenväter. Eine Art antike “Logotherapie” sozusagen!

Und tatsächlich,wenn man einfach einmal anfängt, einen Psalm zu singen, dann ändert sich schlagartigdie eigene Stimmung: Man ist auf einmal nicht mehr so hektisch oder ängstlich oder genervt, wie noch einen kurzen Augenblick zuvor. Irgendwie kommt man da zu sich, wird ruhiger, und plötzlich empfindet man die Gegenwart auch ganz anders.Man sieht auf einmal die Weltum sich herum mit einem veränderten, ruhigeren Blick:Mehr passiv als aktiv, eher gelassen als getrieben.

Was hat das nun mit dem “Advent” zu tun?

Nun, für die Ankunft (lateinisch: adventus) eines Gottes und für seinen zeitweiligen Aufenthalt in einem seiner Heiligtümer verwendeten die alten Griechen das Wort ἐπιδημία(“Epidemie”).Oder auch, wenn der römische Kaiser eineStadt im Osten seines Reiches besuchte, dann feierte man dort seine “Epidemie”. Wir erleben zurzeit auch eine Epidemie, nurleider ganz anderer Art: Manchem von uns ist gerade alles andere als zum Feiern zumute! Andere würden gerne mal wieder so richtig feiern gehen,können es aber nicht, aus gutem Grund!

Einer der meistverwendeten Psalmen unsrer Adventsliturgie ist der Psalm 80, da lesen wir:

„Der du Israel weidest, gib acht,
der du wie Schafe Joseph führst,
der du auf den Cherubin sitzt, erscheine!
Vor Ephraim, Benjamin und Manasse
wecke auf deine Macht
und komm, um uns zu retten.
Gott, wende uns (dir) zu,
und lass dein Angesicht leuchten,
und (so) werden wir gerettet werden.“ (Ps 79(80),1-4 - LXX Dt.)

Wie passend, wie authentisch sind diese Psalmworte gerade jetzt im Advent 2020! Wer könnte sie nicht mit voller Überzeugung aussprechen? Oder noch besser: Singe

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