Adventskalender

5. Dezember: RB 64,19

Münsterschwarzacher Adventskalender am 5. Dezember mit Br. Stephan Veith OSB zu RB 64,19.

"Diese und andere Zeugnisse maßvoller Unterscheidung, der Mutter aller Tugenden, beherzige er. So halte er in allem Maß, damit die Starken finden, wonach sie verlangen und die Schwachen nicht davonlaufen." (RB 64,19)

In diesem Vers aus dem Kapitel über die Einsetzung und den Dienst des Abtes hat mich schon im Noviziat vor fast 40 Jahren angesprochen, dass Benedikt bei der klugen Unterscheidung und weisen Menschlichkeit nicht nur an die "Schwachen" denkt, sondern auch an die "Starken". Er will damit zum Ausdruck bringen, dass im Kloster als einem geistlichen Ort die Starken ihre Erwartungen verwirklichen können und die Schwachen nicht wegen Überforderung die Flucht ergreifen. Es ist übrigens die einzige Stelle in der Regel, wo Benedikt von den Starken spricht.

In der Pädagogik und Psychologie wird seit Jahren bei der Beratung und Begleitung von Menschen zunächst auf deren Ressourcen und innere Potentiale geschaut. Sie betreffen z. B. Fähigkeiten, Kenntnisse, Geschick, Erfahrungen, Talente, Neigungen und Stärken, die oftmals gar nicht bewusst sind. Das klingt gut und ist auch richtig.

Zum Menschsein gehört beides: Licht und Schatten – Stärken und Schwächen. Die geprägte Zeit des Advents kann uns einladen, mit der "Mutter aller Tugenden" beherzt auf unsere Schwächen und Stärken zu schauen. Wir brauchen vor unseren Schwächen nicht davonzulaufen und dürfen auf unsere Stärken vertrauen, die das Leben "lebenswert" machen.

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