Vorstellung der Abteibiografie

Sieben Bücher über die Geschichte der Abtei Münsterschwarzach

Die vollständige Buchreihe über die Historie der Abtei Münsterschwarzach von Autor Prof. Dr. Johannes Mahr sollte eigentlich Anfang Dezember vorgestellt werden.

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage muss dies allerdings für die Öffentlichkeit abgesagt werden. 

In insgesamt sieben Bänden widmet sich der ehemalige Schüler und spätere Lehrer des Egbert-Gymnasiums-Münsterschwarzach (EGM) der Geschichte des Klosters im 20. Jahrhundert. Neben der Buchvorstellung werden Abt Michael Reepen OSB und Abtpräses Jeremias Schröder die im klostereigenen Vier-Türme-Verlag erschienenen Werke würdigen. Der Buchtitel „Schwarz aber schön“ ist eine Reminiszenz an den aus dem Alten Testament (Hoheslied 1,5) stammenden Titel „Schwarz doch schön“ der Festpredigt anlässlich des 900-jährigen Jubiläums der Abtei aus dem Jahr 1715, der als Faksimile in jedem Buch abgedruckt ist.

Sechs Jahre sind vom ersten Band bis zum nun letzten Band vergangen. „Ich hatte nicht beabsichtigt, dass es so viel wird“, sagt Mahr selbst über die Reihe. Doch bei Sichtung des Materials wurde schnell klar: Das wird ein umfangreiches Werk, vor allem auch, weil es nicht möglich ist, über einen Platz wie Münsterschwarzach zu reden, ohne die jahrzehntelange Missionsarbeit in Ostafrika und Südafrika, in Korea und China, auf den Philippinen und in Venezela zu behandeln, die zum Teil des Lebens dieser Abtei gehört und große Wirkungen in beiden Richtungen hatte. Das erste Buch beginnt so nicht etwa mit dem Jahr 1913, der Wiederbesiedlung der Abtei Münsterschwarzach, sondern erzählt die Vorgeschichte von 1883 bis 1913, als zwischen St. Ottilien und den Stationen in der deutschen Kolonie Ostafrika die schwierige Frage geklärt werden musste, wie man gleichzeitig Benediktiner und Missionar sein konnte.

Von den ersten Überlegungen der Missionsbenediktiner, sich wieder in Unterfranken niederzulassen, geht es dann über zum Kauf und der Ansiedlung der Mönche in St. Ludwig bei Volkach und es endet mit den Vorbereitungen des Umzugs nach Münsterschwarzach.

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Die Bände zwei und drei widmen sich dem Wiederaufbau des Klosters in Schwarzach am Main, der Zeit des ersten Weltkrieges sowie dem Bau der Abteikirche, die 1938 geweiht wurde. Die herausfordernden Jahre der NS-Zeit sowie der Aufhebung der Abtei sind in zwei Büchern, Band 4.1 und 4.2, ausführlich und detailreich beschrieben. Von Feldpost der zum Kriegsdienst eingezogenen Mönche über den Widerstand gegen die Auflösung des Klosters bis zum Kriegsende 1945 dokumentieren sie eindrücklich diesen Zeitraum, in dem trotz der Aufhebung die missionarische Arbeit zwar mühsam, weil der Nachwuchs ausblieb, aber weiterhin erfolgreich weiterging. Am bemerkenswertesten ist die Tatsache, dass neben der Hilfe der Schweizer Mitbrüder in Uznach durch die Arbeit der Münsterschwarzacher Prokura in Schuyler in Nebraska trotz Krieg und Aufhebung die große Kathedrale in Peramiho entstand, die inzwischen zur Abteikirche wurde.

Über den inneren und äußeren Wiederaufbau zwischen 1945 und 1959 schreibt Mahr im fünften Band der Reihe. In diesen Jahren stellte sich der Konvent vielen neuen Fragestellungen, wie etwa dem Zusammenleben zwischen Priester- und Brudermönchen, das damals noch hierarchisch geordnet war. Bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) begann in der Abtei Münsterschwarzach eine Zeit des Umbruchs. Um diese Umbrüche, die auch durch zahlreiche Neubauten gekennzeichnet sind, geht es im letzten Band der Reihe.

Bis 1982 handelt der 6. Band, der unter anderem die Entstehung des deutschen Chorgebets in der Abtei Münsterschwarzach beschreibt. Dieser Band erschien bereits 2020, wird aber aufgrund Corona im Rahmen der Gesamtpräsentation der Reihe erst nun besonders vorgestellt.

Die Idee zur Niederschrift der Abteibiografie hatte Mahr schon früh. „Ich habe mir immer gesagt, dass ich das in meiner Rente mache“, so der ehemalige Lehrer und außerplanmäßige Professor am Institut für Deutsche Philologie. Die Lebensgeschichte des 80-Jährigen war seit ziemlich genau 70 Jahren eng mit der Abtei Münsterschwarzach verbunden. So kam er im Alter von 10 Jahren an das ehemalige Internat St. Ludwig, war dann drei Jahre im Internat in Münsterschwarzach, im Anschluss vier Jahre im Haus St. Benedikt in Würzburg. Im Anschluss trat er in die Abtei Münsterschwarzach ein und studierte vier Semester in St. Ottilien. Dann entschloss er sich allerdings, die auf drei Jahre abgelegte zeitliche Profess nicht zu verlängern.

Der Abtei blieb er allerdings treu. Er studierte Germanistik, Philosophie und Archäologie, promovierte und habilitierte sich, erhielt die Venia legendi und hielt in Würzburg Vorlesungen und Seminare. Dabei bekam er den Titel Professor. Dann gab es Probleme im Egbert-Gymnasium. Er übernahm einen Teil des Deutsch-Unterrichts und arbeitete schließlich 20 Jahre lang als Lehrer für Deutsch, Geschichte, Philosophie und Musik am EGM.

Beim Beschluss, sich auf die Geschichte der Kongregation von St. Ottilien einzulassen, war die größte Herausforderung die Masse an Material. Doch genau das sei für ihn auch das Spannende gewesen, erzählt er: „Die Dokumente sind da, die Archive sind gut sortiert und dass ich einen solchen Zugang bekommen habe, ist nicht selbstverständlich.“ Beim Umfang des Materials musste natürlich viel wegbleiben. Doch die Arbeitsdevise lautete: „Wenn etwas wichtig ist, sollte der Text eben umfangreicher werden."

Die Kontakte aus der Vergangenheit halfen bei der Recherche für „Schwarz aber schön“. So gab es nicht nur Einblicke in die Archive von Münsterschwarzach, St. Ottilien, Schweiklberg, Meschede und Uznach. Möglich wurde auch eine Spurensuche in den zur Kongregation gehörenden Klöstern in Tanzania, Südamerika und Asien. Dabei entstand neben der Abteibiografie zuvor eine andere Buchreihe, die ebenfalls eigentlich als ein Band geplant war. Drei Bände unter dem Titel „Aufgehobene Häuser“ erschienen 2009 im EOS-Verlag der Erzabtei St. Ottilien. Sie handeln vom missionarischen Wirken der Benediktiner in Korea und China und der Titel soll zeigen, dass die Klöster zwar von den Kommunisten „aufgehoben“ werden konnten, aber „aufgehoben“ blieben, bis der ottilianer Missionseifer, auch mit wesentlicher Hilfe aus Münsterschwarzach, in der Abtei Waegwan neu zur Blüte kam. 

Mit der abgeschlossenen Reihe von „Schwarz aber schön“ ist für Johannes Mahr aber seine Autorentätigkeit nicht beendet. Für die inzwischen sehr erfolgreich gewordenenen afrikanischen Abteien sollte noch festgehalten werden, unter welchen Problemen die rasch sehr eng gewordene Verbindung zwischen den deutschen Missionaren und den Afrikanern seit 1887 während der deutschen Kolonialzeit begann.

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