Vor einigen Tagen besuchte der Zuständige für die Abteihomepage eine Medientagung in Köln. Dort informierten sich kirchliche Onliner über neuste Trends im Internet. Dabei wurde auch eine mögliche Internetphilosophie für die nächste Dekade vorgestellt, die sich interessanterweise ganz benediktinisch anhörte: „Slow media“. Das englische „Slow“ kann langsam, träge, bedächtig heißen. Das scheint als das Gegenteil zur bisherigen Entwicklung des Internets, das unser Leben so beschleunigt hat.
Unter "Slow Media" werden Qualitätsinhalte aus dem Internet verstanden, die genauso nachhaltig und besinnlich konsumiert werden wollen wie sie produziert wurden. Ähnlich wie im „Slow Food“ geht es um eine sorgfältige Auswahl der Zutaten, schonend liebevolle Zubereitung und achtsamen Genuss.
In der vergangenen Dekade wurden Technologien entwickelt, die die Medienlandschaft tiefgreifend veränderten. In der nun folgenden Dekade geht es darum, angemessene Reaktionen zu entwickeln, wie diese Medienrevolution politisch, kulturell und gesellschaftlich konstruktiv zu nutzen ist. In einem Manifest, das eine Gruppe um den Münchner Soziologen Benedikt Köhler veröffentlicht hat, tauchen Werte auf, die den Benediktinern von jeher wichtig waren.
Aufmerksamkeit und Konzentration im Internet-Gebrauch: Oft betont der Heilige Benedikt in seiner Regel das Hören. Der Mönch soll hinhören auf den Abt, den Mitbruder, seine innere Stimme, auf das was jetzt ist. Es geht um ein Leben in der Gegenwart Gottes, ganz da zu sein, mit allen Sinnen. Wer bewusst lebt, wird nicht gelebt, sondern ist wirklich frei, auch in seinen Internetgewohnheiten. “Wir haben verlernt, die Augen auf etwas ruhen zu lassen, deshalb erkennen wir so wenig.” (Jean Genot)
Maßvoller Internet-Konsum: Die Benediktiner sind für das rechte Maß bekannt. Benedikt gibt keine starren Maße etwa beim Essen vor, sondern fordert seine Mönche auf, das rechte Maß im alltäglichen Bedarf immer wieder neu auszubalancieren. Das führt zur Frage, welche Aktivitäten im Internet wirklich wichtig sind und welche nur Zeiträuber sind.
Qualität und hohe Lebensdauer des Inhalts: Die Tatsache, dass die Mönche heute noch nach der 1500 Jahre alten Regel Benedikts leben, spricht für die Zeitlosigkeit seiner Erfahrung und des benediktinischen Weges. Die Herausforderung bleibt, sie in die heutige Zeit zu übersetzen und nach ihrer Intention zu leben, ein Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Im Internet gilt es zu unterscheiden, um seine Aufmerksamkeit hochwertigen oder zeitlosen Inhalten zu schenken.
Nachhaltigkeit im Ressourcenverbrauch: Nach der Benediktsregel sollen die Mönche alle Geräte des Klosters wie heiliges Altargerät behandeln. Das meint einen sorgsamen Umgang mit Werkzeugen wie Rohstoffen. Unser Energieprojekt zur Nutzung regenerativer Energiequellen ist ein Weg, wie die Abtei einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung pflegt, um zukünftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen. Das Internet hat einen hohen Energiebedarf, der nicht auf der eigenen Stromrechnung erscheint, sondern auf einem Datenserver irgendwo auf der Welt. Sparsamkeit in der Nutzung wirkt sich nicht nur positiv auf die eigene Stromrechnung aus.
Slow Media sollen den Besucher inspirieren und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. So hoffen auch wir, dass die Besucher der Abtei Münsterschwarzach und ihrer Homepage neben Information auch Inspiration für ihren Alltag finden. Gerade die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, um das eigene Internetverhalten auf den Prüfstand zu stellen, um ein Stück weit freier zu werden für die Dinge, die wirklich wichtig sind.